Angus & Julia & Udo

Angus & Julia Stone

Köln, Palladium, 11.10.17

In dichten Nebel gehüllt lag die von einem großen geflügelten Totempfahl überragte Bühne da, als die Geschwister Angus & Julia Stone gemeinsam mit ihrer Band um kurz nach 21 Uhr im Kölner Palladium vor ihr Publikum traten. Eine Stunde zuvor eröffnete bereits die niederländische Sängerin Sue The Night mit melancholischem Indie-Pop das Bühnenprogramm eröffnet.

Bereits mit den ersten Tönen die Julia auf ihrer Trompete spielte zogen sie die Fans in ihren Bann aus dem sie sie dann auch für die folgenden 90 Minuten nicht mehr loslassen sollten. Konzerte der beiden Geschwister aus Newport sind keine riesigen Musikpartys und bieten doch ein großartiges Musikerlebnis. Die filigran wirkende Julia und der eher etwas schroff erscheinende Angus harmonieren gemeinsam perfekt auf der Bühne und scheinen sich in Köln vom ersten Moment an wohl zu fühlen.

Und auch das Publikum ließ sich gut gelaunt zu den träumerischen Songs, die unter anderem auch aus dem aktuellen Album Snow stammen, treiben. Verstärkt wurde dieses Schwelgen in den Songs durch die bunte Illumination der Bühne und die bildliche Untermalung der Songs über die großformatige LED-Wand im Rücken der Band auf der man den Mond in seinem Lauf beobachten konnte oder auch von Wolfsaugen angeschaut wurde.

Auch wenn die Songs der beiden Musiker aus Newport in New South Wales keine typischen Mitmachnummern sind, so ist trotzdem oder gerade deswegen die volle Aufmerksamkeit des Publikums immer auf die Songs ausgerichtet gewesen. Und man merkte immer sobald auch nur der Ansatz eines tanzbaren Beats da, dass das Publikum leicht anfing sich zu bewegen und auch wenn Julia die Fans einlud bei My House, Your House die Hook „Maybe this is where we belong“ zu singen, kam das Kölner diesem Wunsch gerne nach.

Und zu einem Punkt in der Mitte des Konzerts, als ich mich selbst dabei ertappte darüber nachzudenken, wie ich es bildhaft ausdrücken könnte, dass ein Konzertabend ohne erwähnenswerte Besonderheiten ein tolles Erlebnis gewesen ist, hielt Julia Stone eine große Überraschung für die deutschen Fans bereit: Dass sie die Fans auf Deutsch begrüßte ist jetzt noch nicht so besonders erwähnenswert – das haben schon viele weitgereiste Künstler getan. Dass sie dann aber ankündigte ein Lied auf Deutsch singen zu wollen, hielt wohl nicht nur ich zunächst für einen Scherz der charmant und zurückhaltend moderierenden Sängerin. Aber tatsächlich erzählte sie weiter, dass sie auf einen Song von Udo Lindenberg gestoßen war, der sie musikalisch begeisterte. Erst später hätte sie dann auch die Bedeutung des Textes kennengelernt und wäre noch überzeugter von dem Lied gewesen. Und so sangen die Geschwister Stone in Köln Durch die schweren Zeiten und wurden bei dem Refrain natürlich durch das Publikum unterstützt, aber nicht übertönt. Und ebenfalls natürlich wurde die Darbietung, die gerade auch durch Julias gesungenen Akzent sehr charmant wirkte, mit tosendem Beifall honoriert. Ob sie das wohl gemeinsam mit Clueso – der an den beiden Tagen zuvor das Palladium begeistert hat – geübt haben?

Zum Ende des regulären Sets ließen die Australier es dann noch zum Titelsong des aktuellen Albums auf der Bühne schneien, ehe sie mit Nothing Else ihre Fans auf den Heimweg schickten. Wie glücklich und zufrieden die Fans das Palladium an diesem Abend verlassen haben, dürfte auch der „Poster? 3 Euro!“-Verkäufer auf der Schanzenstraße im Geldbeutel gemerkt haben. Ich denke er konnte an diesem Abend eine positive Geschäftsbilanz ziehen.

Text / Konzertbilder: René Kirschbaum

 

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